Expoziţia actuală



Himmelsfenster
Rumänische Hinterglasikonen aus Siebenbürgen
27.10.2018 – 28.04.2019



Im durch ethnische wie konfessionelle Vielfalt geprägten Siebenbürgen entstand ein einzigartiger Ausdruck orthodoxer Volksfrömmigkeit – die Hinterglasikonen.

Im 18. und 19. Jahrhundert, zum Teil auch noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, war Siebenbürgen die erste und nahezu einzige Kulturlandschaft, in der Ikonen nach den Regeln der ostkirchlichen Tradition in der Form westlicher Hinterglasbilder hergestellt wurden. Somit verschmolzen hier byzantinische und lateinische Traditionen des Andachtsbilds auf einzigartige Weise.

Nachdem als Grundvoraussetzung bereits im 16. Jahrhundert in Siebenbürgen Flachglas für den Fensterbau produziert wurde, sind die Anfänge der siebenbürgischen Hinterglas-Ikonenmalerei in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts anzusetzen. Sie stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Einfuhr volkstümlicher katholischer Hinterglas-Andachtsbilder durch Glashüttenarbeiter aus Oberösterreich, Böhmen oder der Slowakei. Das erste und lange Zeit wichtigste Herstellungszentrum war Nicula, ein Dorf nordöstlich von Klausenburg/Cluj. Hier zog eine wundertätige, auf Holz gemalte Ikone schon ab 1694 einen anhaltenden Strom orthodoxer resp. unierter Pilger an und förderte dadurch einen regen Devotionalienhandel unter anderem auch mit Hinterglasbildern. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich nach und nach weitere Herstellungszentren, die den rumänisch-orthodoxen Bevölkerungsteil Siebenbürgens und sogar die rumänischen Fürstentümer jenseits der Karpaten mit Ikonengemälden auf Glas versorgten.

Die Hinterglasikonen wurden in Siebenbürgen von rumänischen Bauern in kleinen Werkstätten angefertigt, in denen sich meist Angehörige einer einzigen Familie bestimmte „spezialisierte“ Arbeitsgänge teilten. Religiöse Druckgrafiken orthodoxer Herkunft, oft aber auch Druckgrafiken mit westlich, katholischen Bildmotiven dienten dabei als Kopiervorlagen.

Die rumänischen Hinterglasikonen Siebenbürgens sind als Zeugnisse echter Volkskunst gleichsam Fenster in eine andere, himmlische Wirklichkeit, die in ihren Motiven und ihrer Farbenpracht Lebensfreude und tiefempfundene Frömmigkeit vereinen.

Das Siebenbürgische Museum besitzt einen reichen Bestand an Hinterglasikonen als Beispiele der konfessionellen Vielfalt Siebenbürgens. Diese konnten bislang nur in Sonderausstellungen dem Publikum zugänglich gemacht werden. Mit der Erweiterung des Siebenbürgischen Museums wird im ersten Obergeschoss ein Schaudepot für die umfangreiche Glassammlung entstehen. Hier werden zukünftig auch die Hinterglasikonen dauerhaft präsentiert werden. Als Vorschau auf die kommende Dauerpräsentation widmet sich die Sonderausstellung noch einmal eingehend dieser besonderen Sammlung.