Aktuelles

Internationale Tagung
„Wege der Aufklärung bei den Siebenbürger Sachsen. Facetten einer Provinz im Wandel“
10. – 12. September 2021 in Weißenfels an der Saale


Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. und Siebenbürgisches Museum Gundelsheim e. V., gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien



Vor dreihundert Jahren, am 26. Juli 1721, wurde in Leschkirch/Nocrich in Siebenbürgen Samuel von Brukenthal geboren, dessen Herkunft, Lebens- und Karriereweg ihn zur Ideal- und Symbolgestalt in der Vorstellung der Siebenbürger Sachsen von sich selbst, von ihrer gesellschaftlichen und kulturpolitischen Rolle im wandelbaren 18. Jahrhundert in dieser historischen Provinz am östlichen Rande des Habsburgerreiches gerinnen ließ.

Brukenthals Gestalt und sein Wirken in Politik, Verwaltung und Gesellschaft sowie sein Kunst- und bildungspolitisches Mäzenatentum eigneten sich zur Projektionsfläche für die vielschichtigen und breit gefächerten Veränderungen in Siebenbürgen vor dem Hintergrund geschichtlicher Entwicklungen im Donau-Karpatenraum im Kontext der Partizipation an der übergreifenden europäischen Geschichte.
Auf der Höhe theresianischer Macht- und Prachtentfaltung nahm in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine gesellschaftliche Entwicklung ihren Anfang, die eine zukunftsweisende, moderne Ausrichtung im Zeichen eines rationalistisch durchorganisierten Beamtenstaates anstrebte und letztlich der Verbürgerlichung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert den Weg ebnen sollte.

Verantwortlich für diese Entwicklung waren neben wichtigen Modernisierungsparametern, die sich dem wirtschaftlichen Aufschwung im imperialen Staatsgefüge eingeschrieben hatten (stellvertretend genannt der Merkantilismus und die zunehmende Mobilität), eine von der Aufklärung beeinflusste Weltsicht der handlungsbestimmenden Elite und in deren Folge eine den gesellschaftlich-kulturellen Raum verändernde Säkularisierungsbestrebung.

Für die protestantischen Sachsen in einem Staat, in dem sie ihre politische Selbstbestimmung und wirtschaftliche Führung verloren hatten, wo zugleich der Katholizismus deklarierte Staatsreligion war und in der Folge die Konfessionalisierung als politische Gegebenheit neue Erfahrungen mit sich brachte, bedeutete der Einzug in die Moderne eine widersprüchliche Erfahrung – Störfaktor für das neue Selbstbild im Zeichen des Nationalen und neue Möglichkeiten der Partizipation am wirtschaftlichen und gesellschaftlich-kulturellen Leben, das alles eingebettet in einen neuen, geistesgeschichtlichen Zusammenhang. Streiflichtartig lässt sich dieser Anpassungsprozess für den Betrachtungszeitraum erhellen: an der Ordnung der eigenen Welt auf der Basis abstrakter und wissenschaftlicher Begriffe, der Disziplinierung des Alltags, an einem neuen Naturverständnis mit Impulsen für Gartengestaltung und Landwirtschaft, der Mobilität und der räumlich wie geistigen Vernetzung (verdichtetes Postwesen, Zeitschriftenwesen und Reiseliteratur als enzyklopädisches Wissensangebot). Im Blickfeld stehen auch bevölkerungs- und gesundheitspolitische Maßnahmen, der Wandel der gesellschaftlichen und der kulturellen Institutionen im Hinblick auf säkulares und praxisnahes Wissen, die Bildung als pädagogischer Auftrag (Lesegesellschaften, Theater, Oper, Konversationskultur des Salons, Vorformen der wissenschaftlichen Vereinskultur, Museum), ein neues Komfortverständnis, die ästhetische wie kunsttheoretische Reflexion mit Niederschlag in einem neuen Stadtverständnis (Garnisonstadt Hermannstadt) mit Folgen für Stadthygiene, Architektur, Kunst und Repräsentation (Freizeitgestaltung, Tanzgesellschaften).

Letztlich stehen mit der Etablierung des modernen Nationsgedankens die Eigenreflexion bei allen Ethnien Südsiebenbürgens – Griechen, Rumänen, Armenier – sowie deren spezifische Darstellungsmechanismen im urbanen siebenbürgischen Städtebild im Raum.

Irmgard Sedler


Organisatorische Hinweise

Veranstalter: Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V., Siebenbürgisches Museum Gundelsheim e. V., Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg

Tagungsort: 06667 Weißenfels/Saale (Sachsen-Anhalt), Markt 1, Sitzungssaal im Rathaus

Anmeldung zur Tagung bitte möglichst per E-Mail bis zum 1. September 2021 an:
info@siebenbuergen-institut.de oder
per Post an: Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V., Schloss Horneck, 74831 Gundelsheim/N.
Tel. 06269 4215-0, Fax 06269 4215-30

Bitte reservieren Sie Ihre Unterkunft selbständig über die Webseite der Stadt (www.weissenfelstourist.de) oder über eines der üblichen Online-Portale.
Aktuelle Infos: www.siebenbuergen-institut.de und aksl.de

Tagungsorte:
Freitag: Fürstenhaus zu Weißenfels/Saale, Leipzigerstraße 9, 06667 Weißenfels
Samstag: Sitzungssaal im Rathaus, Markt 1, 06667 Weißenfels


Programm:


Freitag, 10. September 2021
ab 13:00 Uhr Anmeldung im Tagungsbüro, Fürstenhaus zu Weißenfels, Leipzigerstraße 9, 06667 Weißenfels
14:00-15.30 Uhr Führung durch Weißenfels
16.00 Uhr Begrüßung durch den Oberbürgermeister mit kleinem Stehempfang, Fürstenhaus zu Weißenfels
16:30-17.00 Uhr Einführung in die Tagung und Eröffnung der Ausstellung „Samuel von Brukenthal – ein außerordentlicher Freiherr“: Dr. Harald Roth (Potsdam), Vorsitzender des AKSL e. V.
17.30 Uhr Grußwort: Thomas Șindilariu (Kronstadt/Braşov), Unterstaatssekretär für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Regierung Rumäniens
17:35-18:15 Uhr Dr. Irmgard Sedler (Kornwestheim), Vorsitzende des Siebenbürgischen Museums e. V.: Das Brukenthalmuseum zwischen UNIVERSAL und NATIONAL
18:15-19:00 Uhr Dr. Ingrid Schiel (Gundelsheim): Siebenbürgisch-sächsische Selbstinszenierung zwischen Barock und Aufklärung
19.45 Uhr Abendessen Ristorante & Pizzeria CASTELLO, Fürstenhaus zu Weißenfels


Samstag 11. September 2021
9:00-9:45 Uhr Prof. Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe): Die Kunstsammlung Brukenthal im Kontext zeitgenössischer Sammlungen
9:45-10:30 Uhr Dr. Attila Verók (Erlau/Eger): Auf dem Transportweg von Ideen und Büchern. Kulturelle Kontakte zwischen Halle und Siebenbürgen im Zeitalter der Aufklärung
10:30-11:15 Uhr Prof. Dr. Erika Schneider (Rastatt): Neue Ordnungskriterien für die Natur. Michael Gottlieb Agnethler (1719-1752) – seine Tätigkeit in Halle und die Herausgabe der Werke von Carl v. Linné
11:15-12:00 Uhr PD. Dr. Robert Offner (Regensburg): Siebenbürgische Studierende an der Aufklärungsuniversität Halle im 18. Jahrhundert und das Medizinstudium
12:45-12:45 Uhr Prof. e.h. Dr. Haino Uwe Kasper (Brühl): Ignaz Edler von Born (1742-1791) – Freimaurer – Aufklärer – Geognostiker

12:45-14:00 Uhr Mittagspause

14:00-14:45 Uhr Dr. Dana Dâmboiu (Hermannstadt): Die esoterische Symbolik ornamentaler Gestaltungselemente am Brukenthal-Palais
14:45-15:30 Uhr Dr. Iulia Mesea (Hermannstadt): Johann Martin Stock und die Malerei in Siebenbürgen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
15:30-16:15 Uhr Dr. Markus Lörz (Gundelsheim): Die Stiftung Samuel von Brukenthals im Kontext der historischen Entwicklung der Museumspädagogik
16:15-16:45 Uhr Kaffeepause
16:45-17:30 Uhr Dr. Robert Born (Leipzig): Rasse und Volk als Kategorien in den Diskursen des ausgehenden 18. Jahrhunderts
17:30-18:15 Uhr Dr. Frank Thomas Ziegler (Kronstadt): Impuls und Reaktion. Siebenbürgisch-sächsische Kunst im Zeitalter der Aufklärung.
18:15-19:00 Uhr Dr. Rodica Frâncu (Hermannstadt): Samuel von Brukenthal – un om, o istorie, un muzeu

20:00 Uhr Abendessen Restaurant Akropolis am Markt, Am Markt 12 zu Weißenfels


Sonntag 12. September 2021
8:30-9.15 Uhr Dr. Alexandru Chituţă (Hermannstadt): Samuel von Brukenthal und der Aufstand von Horea, Cloşca und Crişan

ab 9:15 Uhr Exkursion: Franckesche Stiftungen zu Halle, Schlachtfeld zu Lützen (Gustav II. Adolf von Schweden), Nietzsche Gedenkstätte (Geburtshaus, Grab) zu Röcken