Neujahrsgruß 2021 der Kulturreferentin

In diesen Tagen gibt es wenig Optionen für Reisen und Begegnungen. Besuche von Ausstellungen, Konzerten oder Theateraufführungen fallen aus. Die inspirierende, stärkende Kraft, die Kultur für unser Leben und für jede Gesellschaft bedeutet, kann sich nicht wie gewohnt entfalten. Der Transfer in den digitalen Raum ist kein vollwertiger Ersatz. Bleibt zu hoffen, dass dies ein Weg ist, den wir nur für eine gewisse Zeit gehen müssen.

Für eine gewisse Zeit ein Weg ist der Titel einer Skulptur der in Hermannstadt geborenen, in Berlin lebenden Künstlerin Pomona Zipser aus dem Jahr 2019. Entstanden vor Ausbruch der Pandemie klingt hierin etwas Grundsätzliches an, was gleichwohl starke Resonanz vor dem aktuellen Hintergrund besitzt.

Das Foto zeigt diese Arbeit: Eine 12 Meter lange und knapp 3 Meter hohe, aus hölzernen Reststücken gefertigte Konstruktion, die einem Steg ähnelt und von Hier nach Dort führt. Wo Anfang und Ende – oder gar ein Ziel – liegen, bleibt offen. Ebenso offen bleibt, in welche Richtung dieser Weg zu gehen wäre, was am stärksten zu erfahren ist, wenn man um die Arbeit herumgeht. Das ganze Gefüge ist höchst fragil, ein Stoß, eine Erschütterung des Grundes können dazu führen, dass alles in sich zusammenfällt. Die Konstruktion steht frei, ist nicht im Boden verankert. Stabilität gewinnt sie allein aus sich selbst. Dabei wirken Kräfte und Gegenkräfte, die durch Seile und Knoten reguliert werden. So geht eine Stärke von diesem Werk aus, das – so scheint‘s – sein Lot gefunden hat und gefasst die eigene Vergänglichkeit trägt.

Im vergangenen Sommer wurde die Skulptur erstmals öffentlich gezeigt. Den Rahmen dafür bot eine Gruppenausstellung im Zentrum für Aktuelle Kunst (ZAK) der Zitadelle Spandau. Nach Ausstellungsende beschlossen wir mit der Künstlerin Pomona Zipser und dem ZAK-Leiter Ralf Hartmann, die Arbeit fotografisch zu dokumentieren. Bevor die Skulptur wieder im Atelier verschwinden würde, sollte eine Aufnahme, aus der auch das Foto hervorging, das Gleichgewicht der Kräfte für die Zeit bewahren.

Die Aktion wurde zu einer Performance eigener Art: Für das gewünschte Foto musste die Skulptur komplett abgebaut und transportiert werden, um dann im Hof der Zitadelle wieder neu zu entstehen. Nur zwei Tage stand sie schließlich dort, unter freiem Himmel, irgendwie strahlend, noch stärker sich den Widernissen aussetzend – für eine gewisse Zeit ein Weg.

Als Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim am Neckar wünsche ich Ihnen und uns allen einen guten Weg für das Neue Jahr – und viele Wege, die in die Zielregionen des Kulturreferats nach Siebenbürgen, Maramuresch, Bessarabien, in die Bukowina, Walachei, Moldau und Dobrudscha führen!

Heinke Fabritius, im Januar 2021

Pomona Zipser, FÜR EINE GEWISSE ZEIT EIN WEG, 2019, Holz, Seil, Farbe, 290 × 185 × 1150 cm, Temporäre Installation nach „Not only in space, but also in time“ Ausstellung des ZAK Zentrum für Aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau 2020. Eine Kooperation von ZAK und der Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum, Foto: Jürgen Baumann, Berlin

Pimpolinos Abenteuer auf Schloss Horneck: Ganz bald auch als Hörbuch

Das im Frühjahr 2020 erschienene Kinderbuch, geschrieben und illustriert von Ines Handel, erzählt anschaulich und spannend die 800-jährige Geschichte von Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar. Im Mittelpunkt: der kleine Clown Pimpolino, der mit seinen Großeltern aus Siebenbürgen einen Ausflug nach Schloss Horneck unternimmt und dort der Fledermaus Pip begegnet. Pip, die auf der Burg wohnt, entführt Pimpolino auf eine Reise durch die Jahrhunderte …

In der Stimme des jungen Schauspielers Konstantin Bez wird Pimpolino zum vertrauten Freund, mit dem Kinder die vielen Geschichten von Schloss Horneck entdecken.

Die Publikation des Kinderbuchs erfolgte mit Unterstützung des siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V. Die Hörfassung wurde auf Initiative der Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum eingesprochen.

Zum Hörbuch: https://youtu.be/A78RoIm_NUE

ORDER 7161 – ZEITZEUGENPORTRÄTS EINER DEPORTATION

MARC SCHROEDER

75 Jahre nach Stalins Geheimbefehl 7161, der die Deportation von 70.000 Rumäniendeutschen zur Wiederaufbauarbeit in die Sowjetunion zur Folge hatte, erinnert diese Ausstellung an eine fast vergessene Episode europäischer Nachkriegsgeschichte.

Marc Schroeders Zeitzeugenportraits, entstanden in Rumänien während mehrerer Reisen zwischen 2012 und 2015, sie dokumentieren Erinnerungen und Gespräche mit hochbetagten Menschen, die Opfer der Deportationen wurden. Sie erzählen vom persönlichen Umgang mit den erlittenen Traumata, die aus der fragwürdigen Zuweisung „kollektiver Schuld“ resultieren.

Die Ausstellung ORDER 7161, ZEITZEUGEN EINER DEPORTATION von Marc Schröder, die von Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum, kuratiert wird, ist am 22. Oktober im Bukowina-Institut an der Universität Augsburg eröffnet worden. Erste Führungen und ein Zeitzeugen-Workshop konnten bereits vor dem Lockdown stattfinden, weitere sind für Dezember und Januar geplant. Bei Interesse an einer Führung oder an einem Ausstellungsbesuch bitten wir Sie um vorherige Anmeldung unter: 0821/577067 oder info@bukowina-institut.de

https://www.uni-augsburg.de/…/

  • Ausstellungsaufbau im Bukowina-Institut, Foto HF

    Ausstellungsaufbau im Bukowina-Institut, Foto HF

  • Ausstellungsaufbau im Bukowina-Institut, Foto HF

    Ausstellungsaufbau im Bukowina-Institut, Foto HF

  • Blick in die Ausstellung, Foto MS

    Blick in die Ausstellung, Foto MS

  • Blick in die Ausstellung, Foto MS

    Blick in die Ausstellung, Foto MS

  • Blick in die Ausstellung, Foto MS

    Blick in die Ausstellung, Foto MS

  • Erste Gäste, Foto HF

    Erste Gäste, Foto HF

  • Besucher nach der Vernissage, Foto MS

    Besucher nach der Vernissage, Foto MS

  • Führung mit der Kulturreferentin, Foto MS

    Führung mit der Kulturreferentin, Foto MS

WERKSTATTGESPRÄCHE – Die Kulturreferentin im Gespräch mit Kulturschaffenden

Folge 1 – POMONA ZIPSER:
Über Schönheit und Strenge – und Berlin (SbZ, 15. Juni, 2020)
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Folge 2 – FERENC GÁBOR:
Solo-Viola des Konzerthausorchesters am Gendarmenmarkt
(SbZ, 15. Juli, 2020)
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Folge 3 – DR. MARKUS LÖRZ:
Die Faszination des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim
(SbZ, 10. August 2020)
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Folge 4 – JULIA KOCH:
Hinter den Kulissen des Museums
(SbZ, 25. Oktober 2020)
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Folge 5 – THOMAS PERLE:
Karpatenflecken, biographisch und theatralisch
(SbZ, 25. November 2020)
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(Nach)Klänge der Bukowina: Musikkulturen einer multiethnischen Region

In Kooperation mit dem Bukowina-Institut an der Universität Augsburg, dem Fachbereich Musikwissenschaften an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg sowie dem Jüdischen Museum in Augsburg hat das Kulturreferat für Siebenbürgen Projektmittel zur Herstellung eines Kurzfilms eingeworben, der exemplarisch die Musikkulturen der Bukowina vorstellt.

Das literarische Schaffen der historischen Region Bukowina, die heute als multiethnisches Gebiet par excellence erinnert wird, ist Gegenstand vielfältiger Forschungen. Bislang wenig Beachtung fand dagegen ihre musikalische Vielfalt, was durchaus verwunderlich ist, denn die Region brachte ausgezeichnete Musiker*innen hervor, die enge Kontakte zu bedeutenden musikalischen Zentren wie Bukarest und Wien unterhielten. Im Fokus steht somit eine bislang wenig erschlossene Perspektive auf europäische Verflechtungsgeschichten. Dieser Leerstelle widmet sich das Kooperationsprojekt, das anhand eines online abrufbaren Konzertes sowie kommentierter Einführungen das musikalische Leben der Bukowina vergegenwärtigt und sowohl die Hochkultur wie auch das Volkslied einbezieht.

Das im Rahmen des am Herder-Institut entstehenden Onlineportals Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa geförderte Projekt wird im Frühjahr 2021 über das Portal sowie über die Homepages der Kooperationspartner abrufbar sein.

Sehen Sie hier eine kleine Bilddokumentation des Aufnahmetages in den Räumen der „JMAS Ehemaligen Synagoge Kriegshaber“. Als Künstler und Interpreten engagiert waren:
Mia Jakob, Sopran
Denise Maurer, Klavier
Martina Swandulla-Gebauer, Alt
Richard Resch, Tenor
Lutz Landwehr von Pragenau, Komponist

  • Der Bechsteinflügel wird gebracht, Foto Heinke Fabritius

    Der Bechsteinflügel wird gebracht, Foto Heinke Fabritius

  • Aufnahmeort ehemalige Synagoge Kriegshaber, Augsburg, Foto Heinke Fabritius

    Aufnahmeort ehemalige Synagoge Kriegshaber, Augsburg, Foto Heinke Fabritius

  • Die richtige Position finden, Foto Heinke Fabritius

    Die richtige Position finden, Foto Heinke Fabritius

  • Stimmprobe, Foto Ilya Kotov

    Stimmprobe, Foto Ilya Kotov

  • Einsinngen, Foto Ilya Kotov

    Einsinngen, Foto Ilya Kotov

  • Lutz Landwehr von Pargenau, Foto Ilya Kotov

    Lutz Landwehr von Pargenau, Foto Ilya Kotov

  • Martina Swandulla-Gebauer, Foto Ilya Kotov

    Martina Swandulla-Gebauer, Foto Ilya Kotov

  • Lutz Landwehr von Pragenau, Richard Resch, Foto Heinke Fabritius

    Lutz Landwehr von Pragenau, Richard Resch, Foto Heinke Fabritius

  • Richard Resch, Foto Heinke Fabritius

    Richard Resch, Foto Heinke Fabritius

  • Denise Maurer, Foto Heinke Fabritius

    Denise Maurer, Foto Heinke Fabritius

  • Denise Maurer, Mia Jakob, Foto Marc Schroeder

    Denise Maurer, Mia Jakob, Foto Marc Schroeder

  • Aufnahmen mit der Handkamera, Foto Heinke Fabritius

    Aufnahmen mit der Handkamera, Foto Heinke Fabritius

  • Denise Maurer, Mia Jakob, Foto Marc Schroeder

    Denise Maurer, Mia Jakob, Foto Marc Schroeder