Deutschsprachige Künstlerinnen im und aus dem östlichen Europa

Eine Vortragsreihe der Kulturreferentin für Siebenbürgen, Dr. Heinke Fabritius

Mit „Käthe Kollwitz und Grete Csaki-Copony. Künstlerinnenleben in Berlin“ hatte die von der Kulturreferentin initiierte Vortragsreihe Deutschsprachige Künstlerinnen im und aus dem östlichen Europa im Oktober 2018 im Haus der Heimat in Nürnberg ihren Auftakt.
Mittlerweile gab es zahlreiche weitere Veranstaltungen, unter anderem ein Expertengespräch im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg (KOG) im Rahmen der Renée Sintenis Schau („Zwischen Freiheit und Moderne“) und den Eröffnungsvortrag zur Käthe-Kollwitz-Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg.

Die Vortragsreihe, die als laufendes, stets um neue Protagonistinnen und Themenbereiche erweitertes Angebot konzipiert ist, richtet sich an ein breites Publikum und findet in Kooperation mit Museen, Bibliotheken, Vereinen und Volkshochschulen statt. Im Fokus standen bisher die Künstlerinnen Grete Csaki-Copony, Margarete Depner, Käthe Kollwitz, Renée Sintenis und Pomona Zipser.

Das Themenspektrum, vor dessen Hintergrund die Annäherung an das Werk der jeweiligen Künstlerin stattfindet, reicht von Fragen des künstlerischen Selbstentwurfs bis hin zur gesellschaftlichen Vernetzung in den europäischen Metropolen. Auch die durchaus kontroverse Auseinandersetzung der Künstlerinnen mit dem Werk anderer Kollegen spielt eine wichtige Rolle, so etwa Käthe Kollwitz in ihrer kritischen Auseinandersetzung mit dem literarischen Werk von Gerhard Hauptmann und Emile Zola.

Ziel der Reihe ist es, über bemerkenswerte künstlerische Leistungen von Frauen aus dem östlichen Europa zu informieren und ihr innovatives Werk im Kontext der jeweiligen Kunstszene verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. Viele dieser Künstlerinnen haben im Laufe des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Mit ihrer bildnerischen Arbeit prägten und prägen sie die regionale und überregionale Kunstszene und nehmen mit ihrer Stimme Einfluss auf Bildungs- und Verstehensprozesse in unserer Gesellschaft. Nicht zuletzt geben sie – aus den Erfahrungen ihrer Herkunft schöpfend – zentrale Impulse, um Europa in seiner Vielfalt zu denken.

Buchungsanfragen richten Sie bitte an: kulturreferat@siebenbuergisches-museum.de

Nächster Termin: 27. Oktober 2020 – Haus des Ostens, München

Grete Csaki-Copony und Margarete Depner
Künstlerische Selbstentwürfe in den politischen Wirren des 20. Jahrhunderts
Künstlerische Selbstentwürfe sind immer auch Ausdruck von (Suche nach) Identität – weiblicher, nationaler/ethnischer, politscher – und zwangsläufig werden sie von den Verwerfungen der Zeit mitgeprägt. Margarete Depner (1885–1970) und Grete Csaki-Copony (1893–1990), zwei Künstlerinnen aus Siebenbürgen, haben beide entscheidende Stationen ihrer Karriere im Berlin der Zwischenkriegszeit erlebt. Mit ihrem Werk blieben sie auch nach dem 2. Weltkrieg öffentlich präsent. Anhand ausgewählter Arbeiten beleuchtet der Vortrag das Selbstverständnis der beiden Frauen als bildende Künstlerinnen, Mütter, Ehefrauen, Zeitgenossinnen im Netzwerk europäischer Kunstszenen.

Download PDF

Weitere Termine der Reihe
Deutschsprachige Künstlerinnen im und aus dem östlichen Europa

25. November 2020 – Westpreußisches Landesmuseum, Warendorf
26. November 2020 – Stiftung Gerhard-Hauptmann-Haus, Düsseldorf
17. Januar 2021 – Volkshochschule, Heilbronn

Heimatfremde

Szenisches Spiel über ein (un-)freiwilliges Gehen
Eine Zeitzeugenwerkstatt für Jugendliche

Die Frage danach, wie man Fremden und Fremdem, aber auch dem eigenen Gefühl von Fremdheit begegnet, steht im Mittelpunkt vieler öffentlicher Diskussionen. Nicht unwesentlich für Jugendliche ist dabei auch, wie mit diesem Thema in ihrer unmittelbaren, sie täglich umgebenden Lebenswelt umgegangen wird. Was antworten Eltern oder Großeltern, wenn von einem/einer Neuen in der Klasse erzählt wird? Welche Mitteilungen der Erwachsenen – zum Beispiel über eigene Kindheitserlebnisse – werden dabei weitergegeben und prägen damit wesentlich Sensibilität und Verständnis junger Menschen für dieses Thema?

Das knapp 19 Minuten lange szenische Spiel HEIMATFREMDE, erarbeitet und umgesetzt von zwei Schülerinnen der 12. Klasse, setzt genau hier an und befragt die Erwachsenen nach ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen. Mit eigenen Mitteln wird das von den Erwachsenen Erzählte aufgegriffen, recherchiert und mit eigenen Worten neu erzählt. Längst erlebte Geschichte erhält eine neue Sprache und Aktualität. Die Erzählungen der Generationen finden zusammen und wirken wechselseitig aufeinander, wodurch neue Gestaltungsräume eröffnet werden. Zugleich gelingt es damit, die Jugendlichen in der Wahrnehmung ihrer eigenen Person zu sensibilisieren und sie zu befähigen, an gesellschaftlichen Debatten teilzunehmen.

In ihrem Stück HEIMATFREMDE nähern sich die Darstellerinnen der Lebenswirklichkeit der Menschen an, die sich im Rumänien der 1970er Jahre zu einer Flucht vor dem Regime Ceausescus entschlossen hatten. Thematisiert wird das Leben in Rumänien vor der Ausreise, aber auch das schwierige Ankommen in der Bundesrepublik Deutschland. Was hier exemplarisch anhand eines wenig bekannten Kapitel aus der Zeit des Kalten Krieges erzählt wird, eröffnet den Blick auf eine in den Biografien vieler Menschen verankerte Erfahrung von Unterdrückung, Vertreibung und Flucht.

Ausgehend von der Filmvorführung können der weitere Ablauf und das Format der Zeitzeugenwerkstatt an die spezifischen Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst werden. Denkbar ist ein 1-stündiges Filmgespräch über historische Hintergründe, Ankunftserfahrung und Integrationshindernisse. Ebenso kann das Projekt aber auch als halb- oder ganztägiger Workshop geplant werden. Das längere Format eröffnet den Jugendlichen den Raum, um eigene Erfahrungen in kleine szenische oder literarische Sequenzen zu übertragen und diese untereinander auszuloten. Die Filmvorführung kann aber auch als Auftaktveranstaltung und Werkstatteröffnung eines größer angelegten Zeitzeugenprojekts dienen.

Bei Interesse bitte Email an: kulturreferat@siebenbuergisches-museum.de

DIE KARPATENWIE FLECKEN AUF MEINER HAUT

Eine Schüler-Schreibwerkstatt mit Thomas Perle

Eine Seite am Morgen zu schreiben kann üben. Einen Satz zu formulieren, der einen selbst treffend beschreibt, ist etwas anderes, übt aber auch. Beides klärt, zeigt und stärkt. Vertrauen nach innen und außen wächst. Das ist, was die Schreibwerkstatt mit Thomas Perle vermag. Einerseits. Zugleich führt sie mitten hinein in eines der Herzen Europas, zu den Karpaten und den Geschichten ihrer Bewohner, zu denen auch der Autor zählt.
Die Karpaten sind schön und hoch, kantig und wild. Man kann sich in ihnen wie in einem Dickicht verlieren oder auch auf ihren Pfaden verlieben. Auf jeden Fall schreiben sie sich ein in die Leben der Menschen, eben wie Flecken auf der Haut.
In dieser Schreibwerkstatt erzählt Thomas Perle vom eigenen Land und fragt im selben Zug nach Orten und Regionen der anderen. Er formuliert es so:

„Wer wir heute sind, verdanken wir jenen, die vor uns da waren. Sie sind Teil der Geschichte, wie auch wir durch unsere eigenen Biografien und Taten heute zukünftige Geschichte schreiben. Wir wollen Biografisches erkunden, den eigenen Wurzeln auf den Grund gehen, nach Geschichten suchen, Geschichten schreiben. Was bedeutet Zuhause, was daheim, was Familie? Welche kulturellen Wurzeln liegen begraben, welche treten zum Vorschein? Welche Geschichten lassen sich spinnen oder neu erfinden?“
In der Spurensuche, sagt er, lägen Vergnügen und Verantwortung. Dabei könne das Schreiben vielgestaltig sein: prosaisch, dramatisch, lyrisch. In jedem Fall, so Perle weiter, bedeute es: „aus der Vergangenheit zu lernen, dunkle Flecken der Geschichte zu beleuchten, helle Momente zu verinnerlichen für eine Zukunft, in der kein Platz ist für Hass. Weder analog, noch digital.“

Gemeinsam mit der Kulturreferentin, die die Schreibwerkstatt begleitet und aus Mitteln der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien (BKM) fördert, richtet sich das Angebot der Schreibwerkstatt, die als Projekttag konzipiert ist, an Schulen (Sekundarstufen I und II) sowie Jugendorganisationen. Diese richten ihre Anfragen bitte direkt an das Kulturreferat: kulturreferat@siebenbuergisches-museum.de

Zum Autor
Thomas Perle, 1987 im sozialistischen Rumänien geboren, emigrierte mit seiner Familie nach Deutschland, wo er dreisprachig aufwuchs. Er studierte an der Universität Wien Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit Diplomabschluss. Neben dem Studium arbeitete er als Regieassistent am Schauspielhaus Wien. Er war bei zahlreichen Projekten in der freien Theaterszene und verschiedenen Theaterhäusern in Österreich, Deutschland und Rumänien als Projektleitung, Autor und Regisseur tätig.
2018 erschien sein Prosadebüt „wir gingen weil alle gingen.“ im Verlag edition exil. Für seine Prosa und Dramatik erhielt er zahlreiche Preise und Stipendien, zuletzt 2019 den Retzhofer Dramapreis, der mit einer Uraufführung am Wiener Burgtheater verbunden ist.
KARPATENFLECKEN wird im Dezember 2020 ebenda Premiere haben.

  • Thomas Perle; Foto: Julia Grevenkamp

    Thomas Perle; Foto: Julia Grevenkamp

  • Thomas Perle: wir gingen weil alle gingen; Foto: Diane Dingeldein, HDH

    Thomas Perle: wir gingen weil alle gingen; Foto: Diane Dingeldein, HDH

  • SAMMELN; Foto: Kulturreferat, HF

    SAMMELN; Foto: Kulturreferat, HF

  • REFLEKTIEREN; Foto: Diane Dingeldein, HDH

    REFLEKTIEREN; Foto: Diane Dingeldein, HDH

  • SCHREIBEN; Foto: Diane Dingeldein, HDH

    SCHREIBEN; Foto: Diane Dingeldein, HDH

  • DISKUTIEREN; Foto: Kulturreferat, HF

    DISKUTIEREN; Foto: Kulturreferat, HF